AK-Vizepräsident Josef Hager zum Zivildiener-Mangel

Bestehende Tauglichkeitssystematik und somit sinnlose Koppelung der Untauglichkeit auch gleichzeitig für den Zivildienst muss in der heutigen Zeit dringend überdacht werden.

Das Rote Kreuz Niederösterreich sucht dringend Zivildiener. Laut einer Aussendung vom Mittwoch sind derzeit für den Dienstbeginn im April noch über 70 Plätze frei. Bedarf bestehe vorwiegend im Bereich Rettungsdienst. Die hohe Zahl der Untauglichen hat auch Auswirkungen für den Zivildienst, wie man spätestens jetzt sieht. Zwar ist der Anteil der Zivildiener bei den Tauglichen in den vergangenen Jahren insgesamt gestiegen, durch die geburtenschwächeren Jahrgänge und den steigenden Anteil von Untauglichen geht aber auch die Zahl der Zivildiener zurück.

„Wenn ich mir die Zahlen von 2017 anschaue, haben von 38.840 Stellungspflichtigen 10.204, das sind mehr als 26 Prozent, die Mindestvoraussetzungen des Bundesheeres nicht erfüllt. Bei rund 70 Prozent der Untauglichen waren dafür medizinische Indikatoren wie Übergewicht ausschlaggebend. Ich frage mich: „Sind wirklich alle, die bei der Stellung untauglich sind, den Dienst an der Waffe zu leisten, ebenso untauglich einen Dienst an der Menschlichkeit, z.B. im Rettungsdienst, zu leisten? Derzeit ist die Regelung: Wer untauglich ist, darf auch keinen Zivildienst ableisten. Und das ist in der heutigen Zeit absolut nicht zu verstehen! Ich fordere hier den Gesetzgeber und alle verantwortlichen Partner auf, eine Lösung zu finden und neue Wege zu gehen um eine zukünftige und für unser gewohnt sehr gutes Rettungssystem gefährliche Dauerproblematik im Zivildienst zu verhindern! 
Wir leben in einem Land, wo gottseidank Freiwilligkeit stark gelebt wird und sich viele junge und auch ältere Menschen für die Gesellschaft, vor allem im sozialen und kulturellen Bereich engagieren. Ich bin mir sicher, dass wir jungen Menschen nicht den Weg für einen Zivildienst mit dieser überholten Tauglichkeitssystematik versperren sollten! Erinnern wir uns an die Volksbefragung zur Wehrpflicht. Die Beibehaltung hatte nicht nur mit dem Bundesheer zu tun. Denken wir an diese Thematik im Sinne aller Rettungskräfte! Ich werde mich persönlich für dieses Thema weiterhin stark einsetzen“, betont Arbeiterkammer-Vizepräsident Josef Hager.
 

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