Exzellente Fachkräfte - Lehre öffnet Türen

Anlässlich des Arbeitnehmertages legt der NÖAAB einen Fokus auf das wichtige Thema Lehre

Dazu unsere Anregungen und Ideen!

„Duale Ausbildung“ neu denken, weiterdenken und weiterentwickeln

Die „Duale Ausbildung“ wird international als Erfolgsmodell, innovativ und beispielgebend erachtet. Trotzdem ist die Lehre in Österreich mit einem Imageproblem konfrontiert, das automatisch auf jene zurückfällt, die sie absolvieren.

Dementsprechend gilt es die Lehre aufzuwerten, ihr jene Anerkennung zu schenken die sie verdient und weiterhin höchste Qualität in der dualen Ausbildung sicherzustellen. Dabei müssen sowohl Maßnahmen ergriffen werden, die direkt auf das Bild der Lehre in der Öffentlichkeit abzielen, als auch bestehende Strukturen in Frage gestellt und neu gedacht werden.

Modulare Lehre – Exzellente Fachkräfte

Durch eine modulare Struktur der Lehrabschlüsse soll die Sichtbarkeit der Qualifikationen verbessert und damit die Chancen am Arbeitsmarkt erhöht werden. Dafür soll es zwei wesentliche strukturelle Erweiterungen geben, um die Lehre zu stärken und weiterhin exzellente Fachkräfte sicherzustellen.

1.    Zusatzmodule

Für begabte Schülerinnen und Schüler, die mehr wollen, soll es die Möglichkeit geben in zwei verschiedenen Modulen zusätzliche Kompetenzen zu erlangen, die sich dann auch in Qualifikationen und Gehalt niederschlagen sollen. Konkret handelt sich bei einem Modul um die fachliche Vertiefung auf höherem Niveau. Bei dem zweiten soll die Unternehmensgründung im Fokus stehen um den Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern.

2.    Abschlussprüfung „light“: Basismodul mit kleinem Abschluss

Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf soll es weiterhin die Möglichkeit Teilqualifikationen im Zuge einer ein- bis dreijährigen Ausbildungsdauer zu erlangen. Diese Ausbildung ist oft sehr individuell gestaltet, was es den Jugendlichen erschwert in andere Betriebe zu wechseln, da ihre Fähigkeiten sehr stark auf ihren Lehrbetrieb zugeschnitten sind und so auch eine Vergleichbarkeit kaum möglich ist.

Deswegen soll es in Niederösterreich zusätzlich zur Teilqualifikation standardisierte Ausbildungsprogramme in kleinerem Umfang für häufige Lehrberufe geben. Damit soll die Transparenz der erworbenen Abschlüsse erhöht und die Eingliederung der Absolventinnen und Absolventen in den Arbeitsmarkt erleichtert werden.
Dabei soll eine hohe Durchlässigkeit in die reguläre Lehre und umgekehrt gegeben sein.

Fokus auf Digitalisierung in der Ausbildung
Die Digitalisierung bringt neue Anforderungen an das Bildungssystem mit sich und einen Veränderungsprozess, an dem alle teilnehmen müssen. Wir wissen bereits, dass jeder Beruf von der Digitalisierung betroffen sein wird, jetzt gilt es unsere Fachkräfte in der Lehre auch dementsprechend vorzubereiten. In unseren Berufsschulen wird bereits viel im Bereich der Digitalisierung getan und trotzdem muss der Fokus noch stärker darauf gesetzt werden, sowohl in den Berufsschulen, als auch in den Betrieben.

Durchlässigkeit in der Ausbildung

Es braucht Optionen zur Erhöhung der Durchlässigkeit für Lehrabsolventinnen und Absolventen, mit dem Ziel, die Schnittstelle zwischen Lehre und höheren Bildungsoptionen weiter zu verbessern und damit die Attraktivität der dualen Ausbildung zu erhöhen. 

Bessere Berufsorientierung in der Unterstufe

Obwohl im Schulunterrichtsgesetz unter §13b individuelle Berufs- und Bildungsorientierung für Schülerinnen und Schüler gesetzlich verankert ist, sind die realen Möglichkeiten zur Berufsorientierung, insofern Eltern oder Schülerinnen und Schüler nicht aktiv Initiative ergreifen, kaum gegeben.
Teilweise zeigen Schulen, insbesondere Gymnasien, sogar absichtlich keine anderen Alternativen als die Langform des Gymnasiums auf.
Dabei sollten aber die Interessen und Stärken des Kindes im zentrum stehen, die im besten Fall im späteren Berufsleben verwirklicht werden können. Dazu bedarf es eine fundierte, qualitative und vielseitige Berufsorientierung, die den geeignetsten Weg aufzeigt, um die eigenen Talente und Wünsche ausleben zu können. Notwendig hierfür ist ein Kooperationswille in allen Schulen, die die Interesse des Kindes in den Vordergrund rücken und Berufsorientierung für alle möglich macht und die Lehre auch eine selbstverständliche Option ist.

Möglichkeiten für eine wirksame Berufsorientierung konsequent an alle Unterstufen bringen:

·         Berufs- und Bildungsmessen

·         Begabungskompass

·         Berufstätige an Schulen bringen

·         Berufspraktische Tage

Aufklärungsarbeit bei Eltern

Neben der mangelnden Berufsorientierung in der Unterstufe, spielt oft noch ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle, warum sich Jugendliche oft gegen einen Lehrberuf und für den akademischen Weg entscheiden: Eltern.
Auch sie sind häufig von den Vorurteilen gegenüber der Lehre vorbelastet und raten ihren Kindern eindringlichen von einer Lehre ab, oder zeigen diesen Weg erst gar nicht auf, nicht wissend, dass die Lehre eine Vielzahl an Möglichkeiten und Chancen eröffnet. Deswegen braucht es auch eine gewisse Berufsorientierung bei Eltern, damit auch dieser Einflussfaktor erkennt, welche Chancen und Möglichkeiten die Lehre eröffnet und dass sie längst nicht mehr die Alternative für weniger begabte Kinder ist.
Konkrete Maßnahmen könnten sein:

è Vorträge an Elternabenden (z.B. von Lehrlingen)

è Sensibilisierung auf das Thema Talenteförderung

è Sensibilisierung auf das Thema Berufsorientierung

Senkung der Lohnnebenkosten bei Lehrlingen

Die Lehre ist im Gegensatz zu anderen Ausbildungsarten eine sehr kostengünstige Variante für den Staat, jedoch nicht für die Lehrbetriebe. Damit die Schaffung von Lehrplätzen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber attraktiver gestaltet werden und finanzielle Gründe ein geringeres Hindernis darstellt, setzen wir uns dafür ein, dass die Lohnnebenkosten bei Lehrlingen gesenkt werden und teilweise vom Staat übernommenwerden.

 

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