NÖAAB-Obmann Sobotka gibt auf Arbeitsklausur Startschuss zur Erarbeitung umfassender Perspektiven im Sozialsystem, die es in kleinen Schritten umzusetzen gilt

Sozial ist, was die Menschen nach vorne bringt und nicht fest schnallt

„Unser öffentliches Sicherungssystem ist in Wahrheit ein Flickwerk, das die Buntheit der Arbeitswelt nicht mehr in zufriedenstellender Weise abdecken kann. Einerseits bürdet unser System den Menschen zu viel auf, was bürokratische Prozesse betrifft - andererseits mutet es den Menschen zu wenig zu, was Anreize und Informationen betrifft. Den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wurde zu viel Verantwortung genommen und gleichzeitig wurden ihnen zu viele Aufgaben gestellt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird nicht einmal zugetraut, die Lohnnebenkosten am Gehaltszettel zu verkraften, sie werden deshalb weggelassen - gleichzeitig erwartet unser System, dass jeder die komplexe Arbeitnehmerveranlagung durchführt oder sein Pensionskonto füllt“, betont NÖAAB-Obmann LH-Stv. Wolfgang Sobotka im Anschluss an die zweitätige Arbeitsklausur des NÖAAB-Vorstandes und gibt dabei den Startschuss zur Erarbeitung umfassender  Perspektiven im Sozialsystem, die es in kleinen Schritten umzusetzen gilt.

 

„Wir wissen zum Beispiel, dass Arbeit eine unglaublich wichtige soziale Perspektive vermittelt – Selbstwertgefühl, Selbstverwirklichung, Zugehörigkeit. Arbeitslosigkeit nimmt den Menschen diese Perspektiven. Menschen in Arbeitslosigkeit erkranken zum Beispiel auch doppelt so oft, wie Menschen in Beschäftigung. Die Mindestsicherung gibt zwar eine vermeintliche Sicherheit, verzichtet aber gleichzeitig auf die Perspektivenvermittlung. Das monatliche Haushalteinkommen einer alleinerziehenden Mutter mit Job und in Mindestsicherung unterscheidet sich gerade einmal durch 150 Euro. Unsere Sicherungssysteme sind palliativ, sie zementieren einen Status quo – sie sind zu wenig motivierend zu wenig befähigend. Ein soziales System bringt die Menschen nach vorne und schnallt sie nicht fest. Warum geben wir Menschen in der Mindestsicherung nicht eine sinnvolle Beschäftigung, bezahlt und versichert werden sie durch den Staat ohnehin“, so Sobotka.

 

„Die Arbeitslosigkeit unter Pflichtschulabsolventen liegt bei über 25% - Tendenz steigend. Unser Mindestbildungslevel erfüllt die Anforderungen der modernen Arbeitswelt nicht mehr. In Zukunft werden Jobs, für die man keine Qualifikation braucht bzw. in denen man sich keine weiteren Qualifikationen aneignen muss, immer weniger. Ein weiterer Punkt ist das unterschiedliche Lohnniveau zwischen Jungen und Älteren. Nach 30 Jahren Arbeitszeit verdient ein Arbeitnehmer doppelt so viel, wie bei seinem Einstieg. Wir dürfen uns also nicht wundern, dass die Arbeitslosigkeit unter älteren Arbeitnehmern hoch ist. Die Gehaltskurve verläuft konträr zum Bedarf der Arbeitnehmer, sie muss spürbar verflacht werden. Es muss sich aber auch der Umgang zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ändern. Feedbacks, Mitarbeitergespräche und arbeitsplatzbindende Maßnahmen dürfen nicht Ausnahmeerscheinungen einiger weniger Vorzeigeunternehmen bleiben. Durch ein mehr an moderner Unternehmensführung und -Kommunikation in unserer gesamten Arbeitswelt - wie z.B. die gelebte Sozialpartnerschaft in der Firma Worthington zeigt -  können wir auch eine gewaltige volkswirtschaftliche Steigerung auslösen“, erklärt der NÖAAB-Obmann.