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NÖAAB-Sobotka/Ertl/Teimel: PISA-Missbrauch gehört abgestellt

Daten freigeben, Erhebung reformieren, Bildung entpolitisieren

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz fordern NÖAAB-Obmann LH-Stv. Wolfgang Sobotka, sowie die Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft NÖ Eva Teimel und der Vorsitzende der NÖ Landeslehrer Helmut Ertl die Veröffentlichung von Länder- und Schultypenergebnissen der PISA-Studie, eine Ergänzung um landes- und schulrelevante Fragen und eine Entpolitisierung der Bildungsdiskussion in Österreich.

„Der Missbrauch der PISA-Studie gehört abgestellt – unser oberstes Ziel muss es sein, Maßnahmen zu setzen die den Lernerfolg steigern. Es kann nicht das oberste Ziel einer Bildungsministerin sein, eine Gesamtschule einzuführen, die nachweislich nichts bringt“, so Sobotka, der die Position des NÖAAB mit Zahlen und Fakten unterlegt: „Wir liegen bei den PISA-Punkten unter Schmied exakt da, wo Elisabeth Gehrer aufgehört hat. Vor 9 Jahren forderte die SPÖ angesichts der Ergebnisse den Rücktritt der Ministerin, heute bezeichnet die SPÖ das gleiche Ergebnis als „Trendwende“ und „Schmied-Erfolg. Es wird vollkommen verschwiegen, dass z.B. in Finnland nur 2,9% aller getesteten Schüler zu Hause nicht in der Unterrichtssprache sprechen, in Österreich aber 22,7%. Es wird verschwiegen, dass in Finnland fast 50% aller getesteten Schüler außerschulische Nachhilfe in Anspruch nehmen, in Österreich nur 25%. Es wird vom PISA-verantwortlichen Andreas Schleicher (bekennender Gesamtschulbefürworter) und von der SPÖ die Gesamtschule gefordert, obwohl Bayern in Deutschland oder die Schweiz mit einem differenzierten Schulsystem Top-Ergebnisse erzielen. Zudem werden die Daten den eigentlich verantwortlichen, nämlich Lehrern, Eltern und den Ländern vorenthalten - Länder- und Schultypenspezifische Ergebnisse gibt es keine“.

„Während Österreich in der Jugendarbeitslosigkeit (Platz 2 in EU), in der Arbeitsbereitschaft (Platz 2 in EU), bei ehrenamtlichem Engagement (Platz 1 in der EU) oder bei Lehrlingsbewerben (Platz 1 Euroskills 2012) die besten Ergebnisse erzielt – sind wir bei PISA nur Mittelmaß. Wir brauchen neue Ansätze, zum Beispiel jene von John Hattie, der Studien von 250 Mio. Schülerinnen und Schüler gebündelt hat und dabei zum Schluss kommt: Das wichtigste ist der motivierte Lehrer – und zu Lehrermotivation tragen PISA und aktuell gesetzte Maßnahmen in keiner Weise bei“, erklärt der NÖAAB-Obmann.

Der Vorsitzende der NÖ Landeslehrer Helmut Ertl betont, dass die Kosten nicht im Verhältnis zum Nutzen stehen: „1,6 Mio. Euro kostet PISA, dieses Geld wäre im Schulsystem besser aufgehoben. Wie Österreich im Vergleich zu Korea liegt, ist unwichtig“. Die Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft NÖ Eva Teimel erzählt aus der Praxis: „Wie soll man Schüler für einen Test motivieren, von dem sie nichts haben und nichts erwarten können – auch die Ergebnisse kommen viel zu spät. Die Fragen werden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, dabei passieren Fehler. Die deutschen Texte sind um 16% länger. Ein wichtiger Punkt wird komplett verschwiegen: 99% der befragten Schulleiter schätzen die Motivation der Lehrer hoch ein – damit liegen wir auf Platz 1 im PISA Ranking“.