Von der Leyen: Begriffe "Rabenmutter" und "Heimchen am Herd" gehören auf den Müllhaufen der Geschichte

Deutsche Bundesministerin am Zukunftsforum Soziales des ÖAAB

Die deutsche Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, bedankte sich beim diesjährigen Zukunftsforum Soziales des ÖAAB für die Einladung und betonte, dass es auch für sie immer spannend sei, neue Impulse mit nach Deutschland zu nehmen. In ihrer Key-Note Rede betonte sie die Wichtigkeit von Europa. "Das Heimatgefühl Europas tragen wir sehr tief in uns. Uns verbindet in der EU sehr viel mehr, als nur der Euro", so von der Leyen, die klarstellt, dass Europa nun Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit brauche. In Europa müsse das Einende über das Trennende gestellt werden. "Ich hänge am europäischen Sozialsystem – es verbindet Subsidiarität und Solidarität", so die Arbeits- und Sozialministerin.

In weiterer Folge ging Ursula von der Leyen auf den demographischen Wandel in Österreich, Deutschland und Europa ein: "Zuerst die gute Nachricht: Wir leben länger. Nun stellt sich die Frage der Generationengerechtigkeit." Man müsse das längere Arbeiten erst lernen und vor allem die Berufs- und Lebenserfahrung von älteren Arbeitnehmern mehr schätzen und nutzen. Wichtig sei, dass nicht mehr darüber nachgedacht wird, wie man Ältere loswerden kann, sondern wie man miteinander die Menschen länger im Arbeitsprozess halten kann. Es habe sie begeistert, dass positive Effekte für ältere Arbeitnehmer auch sehr viel Innovation in den Arbeitsprozess bringen können. "Wir müssen aus dem Problem einen Vorteil machen – im Altern muss eine Stärke gesehen werden", ist von der Leyen überzeugt. In der heutigen Gesellschaft brauche es keine Diskussion, ob Alt oder Jung. In Zeiten des demographischen Wandels brauche es eine Kombination der Fähigkeiten, um erfolgreich zu sein. "Die Jungen rennen vielleicht schneller, aber die Alten kennen die Abkürzungen", betont die Ministerin.

Weiters ging die deutsche Bundesministerin für Arbeit und Soziales auf die Frage ein, wie man künftig miteinander arbeiten will. Burnout und psychische Belastungen seien ernsthafte Probleme. "Die Arbeitswelt ändert sich. Das können und wollen wir auch nicht ändern. Arbeit gibt Sinn und Struktur – Stress gehört dazu. Die große Frage ist, wann wird es ein chronischer Druck und wann macht es krank", so von der Leyen, die davon überzeugt ist, dass man die richtige Balance zwischen Be- und Entlastung finden muss. Es sei aber auch eine Frage der Unternehmensführung, wie diese Balance ausgestaltet ist. Zeitdruck, Überforderung, Mobbing und andere psychische Belastungen lösen immer wieder die selbe Reaktion im Körper aus. Dies führe zu Muskel- und Skeletterkrankungen, aber auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. "Wenn Unternehmen feststellen, dass Konflikte zunehmen und Krankenstände steigen, müssen neue Formen des Zusammenarbeitens etabliert werden", so die Ministerin, die in diesen Fällen vor allem die Betriebsärzte als Verbündete sieht.

Als besonders wichtig erachtet von der Leyen die "Gesellschaft des langen Lebens": "Wissen ist Macht, Wissen ist teilhaben. Wer Bildung hat, kann mitmachen – das ist für eine Gesellschaft, die sich so stark ändert, entscheidend." Man müsse ein neues Bild des Alterns entwickeln – dies sei ein hochinnovativer Exportschlager. Aber der demographische Wandel heiße nicht nur länger leben, sondern dass auch weniger Kinder geboren werden. "Das muss nicht in Stein gemeißelt sein. Das haben andere hochindustrialisierte Länder besser geschafft als wir", erklärt die deutsche Arbeitsministerin, die überzeugt ist, dass man der jungen Generation Antworten darauf geben muss, was passiert wenn Kinder geboren werden. Es müsse Schluss sein mit Begriffen wie "Rabenmutter" oder "Heimchen am Herd". "Diese Begriffe gehören auf den Müllhaufen der Geschichte. Wir brauchen Rückenwind für junge Familien", unterstrich die Ministerin. Ursula von der Leyen abschließend: "Klar ist, dass Bildung das Beste ist, was ein Land einer jungen Generation anbieten kann."